Wie die Atmung unser Energielevel beeinflussen kann. 

Eine Schildkröte atmet dreimal pro Minute. Ein und aus. Ein und aus. Ein und aus.
Und Du? Probiere es gerne einmal aus. Ein Mensch atmet im Tagesverlauf durchschnittlich 10 mal pro Minute.
Wer wird älter? Richtig, die Schildkröten. Nur, weil sie langsamer atmen? Naja, vielleicht auch, weil sie sich gesund ernähren, wenig Stress im Leben haben und ganz generell ziemlich gelassen sind. Das Schöne ist – wir haben all diese Aspekte für unser Leben selbst in der Hand! Ja, auch die Atmung. 

In diesem Artikel erfahrt ihr: 

  • Warum wir überhaupt atmen, 
  • Wie wir durch die Atmung zur Ruhe kommen können und, 
  • Auf welche Weise man sein Energielevel durch das Atmen heben kann. 

Warum atmen wir eigentlich? 

Atmen passiert einfach so. Da müssen wir nicht drüber nachdenken, das macht der Körper von ganz allein. Jeden Tag, jede Stunde, immer, auch beim Schlafen. Weil wir Sauerstoff aufnehmen und Kohlendioxid ausstoßen müssen. Das läuft über das vegetative Nervensystem – Autopilot.

So wird unser ganzes System mit frischem Sauerstoff versorgt. Der wandert über die Atemwege und die Lungenbläschen in den Blutkreislauf und landet bei den Zellen. Die atmen dann jede für sich, damit sie weiterhin ihren Aufgaben nachgehen können. Alles, was verbraucht ist, wird über die Ausatmung wieder rausgeschmissen. 

Die Gleichung ist einfach: Je besser wir mit Sauerstoff versorgt sind, desto mehr Energie steht uns auf allen Ebenen zur Verfügung. Das Immunsystem ist stark, die Verdauung funktioniert gut, wir sind munter und auch das Denken klappt reibungslos. 

Bei Lebewesen unter Wasser und Pflanzen funktioniert das andersrum und deswegen können wir wunderbar miteinander existieren. Nebenbei atmen wir auch über die Haut, das ist aber etwas, was wir nicht beeinflussen können. Spannend ist die Atmung über die Lunge, weil wir diese auch aktiv steuern können. Ja, obwohl sie vom vegetativen, unbewussten Nervensystem gesteuert wird. Das ist total gut, denn meistens atmen wir zu schnell – wie der Schildkröten-Vergleich zeigt. 

Warum atmen wir zu schnell? 

Im Alltag atmen wir oft flacher und schneller als wir sollten. Das passiert allein schon, weil die Körperhaltung nicht optimal ist. Wir haben dadurch gar nicht genug Platz zum Atmen. Auch zu enge Kleidung kann eine tiefe Atmung verhindern. 

Im Kopf sorgen dauerhafte Anspannung und Alltagsstress für hektisches Atmen. Wir befinden uns in stressigen Phasen in einem körperlichen Stadium, das mit dem Fight-or-Flight-Modus von vor vielen Jahren vergleichbar ist. Der Körper bekommt dabei dauerhaft das Signal: Wir müssen uns den Tiger vom Leib halten – oder rennen. 

Das bewirkt, dass wir schneller wir atmen, um kurzfristig mehr Sauerstoff parat zu haben. Den brauchen wir für das Sprinten oder Kämpfen. Leider werden in solchen Situationen alle anderen Körpervorgänge, wie die Verdauung, zurückgeschraubt. Deswegen haben Personen mit viel Stress auch oft Probleme mit der Verdauung. 

Die gute Nachricht: Wir können dem Körper über unsere Atmung klar machen, dass wir gar nicht kämpfen oder rennen müssen. Ganz bewusst und gezielt. 

Wie kommt man durch die Atmung zur Ruhe? 

Eine ausgeglichene Atmung dauert 12 Sekunden. Das sind sechs Sekunden für die Einatmung und sechs Sekunden für die Ausatmung. Probiere auch das gerne aus. Du wirst merken, dass das erstmal fast eine halbe Ewigkeit ist.
 
Diese tiefere und langsamere Atmung zeigt dem vegetativen Nervensystem, dass alles entspannt ist. Kein Tiger in Sicht. Niemand muss wegrennen. Wir können Pause machen. Das bewirkt, dass der Blutdruck sinkt und das Herz ruhiger schlägt. Außerdem bleibt mehr Zeit, um den eingeatmeten Sauerstoff durch den Körper zu schicken. Auch jede einzelne Zelle hat mehr Zeit, ihre Reserven aufzuladen und sich wieder herzurichten. 

Je länger und tiefer die Atmung, desto mehr versteht der Körper: Pause. Vielleicht sogar: Schlafenszeit.
Und das ist auch der Trick der Schildkröte. 

Was wir tun können, um den Fight-or-Flight-Modus zu unterbrechen 

Zugegeben, erstmal muss man überhaupt erkennen, dass der Körper sich „mal wieder“ um Jahrtausende zurückversetzt fühlt, obwohl wir einfach nur eine Mail gelesen haben. Aber vielleicht ist es genau diese Mail, die macht, dass wir wirklich nur noch wegrennen wollen. Um einen klaren Kopf zu bewahren, hilft es, erstmal wieder bewusst in den Körper zurückzukommen. Wie? Natürlich über die Atmung. 

  • Stelle oder setze Dich entspannt und aufrecht hin. 
  • Atme ein paar mal tief ein und gerne über den Mund wieder aus. Schon besser? 
  • Danach verbindest Du eine leichte Bewegung mit der Atmung. 
  • Atme ein und öffne Deine Arme weit zu beiden Seiten. Die Bewegung dauert so lange, wie die Einatmung dauert. 
  • Atme aus und schließe die Arme vor dem Körper wieder. Auch hier: Die Bewegung endet mit der Ausatmung. 
  • Fortgeschrittene Atmer*innen können die Ausatmung länger werden lassen als die Einatmung, z.B. 4 Sekunden ein- und 8 Sekunden ausatmen. Bitte lasst es nicht krampfig werden, das wäre gegenteilig zu eurem Ziel, der Entspannung. 
  • Wiederhole das mindestens 10 Mal. 

Wie fühlt sich das an?
Mit der Zeit lernen wir, schon früh zu bemerken, wenn unser Urzeit-Ich wieder mit uns durchgeht und wir können immer eher intervenieren. 

Noch besser wäre es natürlich, wenn es gar nicht erst soweit kommt und wir so sehr mit uns und unserem Atmen verbunden sind, dass wir uns schildkröten-mäßig ganz gleichmütig in unseren Panzer zurückziehen können. Denn wenn wir da in unserer Energie sind, können wir die Atmung auch gezielt nutzen, um uns für wichtige Termine oder Erledigungen vorzubereiten.

Auf welche Art und Weise kann ich durch Atmung mehr Energie gewinnen? 

Ganz grundsätzlich gilt: Wir können uns nur kurzfristig über unsere Atmung aktivieren, wenn wir überhaupt eine Basis haben, von der wir starten. Wenn wir eh schon die ganze Zeit am Limit laufen, kann da nicht mehr viel rausgeholt werden und das Experiment endet im Gegenteil: Wir kippen um. Also bitte macht das nicht, wenn ihr eh schon ein Stressbündel seid oder gar Bluthochdruck, Panikattaken oder Asthma habt. Und nein, auch Schwangere machen das bitte nicht. Denn Hyperventilieren will niemand.
Also, wenn wir euch eh schon am Limit fühlt, dann springt wieder zu der langsamen und tiefen Atmung zurück und bleibt dabei. 

Ansonsten gibt’s hier eine Anleitung, um euer System neu/wieder in Schwung zu bringen: 

  • Finde einen aufrechten Stand oder Sitz. 
  • Du kannst auch hier gerne die Bewegung mit der Atmung koppeln und die Arme wie in der ersten Übung bewegen. 
  • Achte bei der Atmung darauf, dass die Einatmung länger wird als die Ausatmung. Also z.B. 8 Sekunden ein- und 4 Sekunden ausatmen. 
  • Wiederhole das ca. 10 Runden.

 Du wirst merken, wie Du Dich so richtig aufpumpen kannst. Ready to rumble! 

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